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Resilienz – das Stehaufmännchen der Psychologie

Seit einigen Jahren wird das Thema psychische Gesundheit immer populärer in der Gesellschaft. Achtsamkeit, Meditation oder Coachings stehen mehr denn je im Fokus. Und auch der aus der positiven Psychologie stammende Begriff Resilienz erhält zunehmend Aufmerksamkeit.

Wie uns Resilienz prägt

Im Bereich der Psychologie spricht man bei Resilienz von der Fähigkeit des Menschen mit einer kritischen Lebensphase, Stress oder einem traumatischen Schicksalsschlag positiv umzugehen und anschließend wieder in den vorherigen seelischen Zustand zurückzukehren.

Besonders gut lässt sich das Phänomen anhand des Stehaufmännchens beschreiben: Die bunten Figuren in Form von Menschen oder Tieren finden immer wieder in die aufrechte Position zurück, auch, wenn man versucht, sie umzustoßen. Umgangssprachlich verwenden wir das Stehaufmännchen, um Menschen zu beschreiben, die sich nicht durch Niederlagen oder Misserfolge unterkriegen lassen. Sie lassen sich trotzdem immer wieder auf das Leben ein und gehen an neue Herausforderungen optimistisch heran.

In den 50er Jahren führte die Entwicklungspsychologin Emmy Werner eine Studie auf der hawaiianischen Insel Kauai durch, in der sie vier Jahrzehnte lang fast 700 Kinder untersuchte. Diese Kinder hatten durch Armut, Vernachlässigung und Gewalterfahrungen erschwerte Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben. Werner begleitete die Kinder bis in ihr Erwachsenenleben und fand entgegen der Annahme, alle Kinder würden ein schweres Schicksal erleiden, heraus, dass ein Drittel der Jungen und Mädchen zu selbstbewussten, fürsorglichen und leistungsfähigen Erwachsenen geworden waren. Dadurch wurde klar: Auch wenn die Startbedingungen im Leben von Menschen ungünstig sind, meistern einige dieses dennoch gut.

Das liegt daran, dass später erfolgreichen Erwachsenen während ihrer Kindheit fürsorgliche Bezugspersonen zur Seite standen. Durch diese Menschen lernten die Kinder Vertrauen in andere, aber auch in sich selbst zu entwickeln und mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken – trotz Hindernissen.

Resiliente Menschen sind glücklicher

Was aber hat das mit uns zu tun? Resiliente Menschen überwinden Krisen schneller und sind dadurch glücklicher. Psychische Krankheiten werden durch anhaltende negative Gefühle wie Unzufriedenheit und Anspannung begünstigt. Dagegen sind Menschen mit einer optimistischen Grundstimmung entspannter. Das wiederum fördert kreatives Denken.

“Übrigens zeigen resiliente Menschen im orbitofrontalen Cortex weniger Aktivität, d. h., resiliente Menschen machen sich generell weniger Sorgen um Vergangenheit oder Zukunft und warten eher ab, als sich über Vergangenes und Künftiges aufzuregen. Sie reagieren vorwiegend auf das, was im Augenblick geschieht, wodurch sie auch besser wahrnehmen, wenn unangenehme Situationen vorüber sind, und sich schneller erholen.”[1] steht dazu im Stangl-Lexikon für Psychologie und Pädagogik. Indem Menschen sich auf die Gegenwart konzentrieren, reduzieren sie Sorgen und Angst.

Menschen, die als resilient gelten, verarbeiten und überwinden Trauer und Schmerz schneller als andere, da sie eher dazu in der Lage sind selbstbestimmt zu handeln und in einer Niederlage positives Entwicklungspotential sehen. Sie denken flexibler und passen sich an die gegebenen Bedingungen an.

Einen ganz aktuellen Bezug lässt sich anhand der Corona-Pandemie herstellen. Wie resilient sind Menschen, die unmittelbar in Ihrem Alltag von einer solchen Krise betroffen sind? Diese Frage stellt sich das Deutsche Resilienz Zentrum (LIR) in Mainz: In einer „Covid-19-Intensiv-Befragung“ soll untersucht werden wie „Gesundheitsfachkräfte in der Intensiv- und Notfallversorgung, aber auch in anderen Bereichen der Medizin und im Katastrophenschutz mit dem Stress im Rahmen der Corona-Pandemie umgehen und welche schützenden Faktoren sowie Risikofaktoren für psychologische Belastungen es in einer derartigen Situation gibt.”[2]

Gute Nachricht: Jeder kann Resilienz lernen!

Laut dem Stangl Lexikon gehen Wissenschaftler davon aus, „dass jeder Resilienz im Laufe des Lebens erlernen und trainieren kann.“[3]

Erst durch dessen individuelle Biografie entwickelt jeder Mensch sein persönliches neuronales Netzwerk. Einen Teil davon macht das vererbte Genmaterial aus, den anderen Teil der Einfluss der Umwelt auf den Menschen. Die Wechselwirkung dieser beiden Elemente prägen den Menschen. Damit ein Kind in seiner Entwicklung Resilienz erlernen kann, braucht es eine stabile Beziehung zu einer Bezugsperson. Häufig ist dies die Mutter. Wenn das Kind in dieser Entwicklungsphase negative Erfahrungen macht, bilden sich im Gehirn Stressnarben.

Das bedeutet allerdings nicht, dass es später im Erwachsenenalter keine oder wenig psychische Widerstandskraft gegen Stress und Krisen entwickelt: Der Mensch kann in jeder Phase seines Lebens lernen resilienter zu werden.

Diese Erkenntnis macht sich vor allem die Psychotherapie zu Nutze, um Leuten aufzuzeigen wie Sie besser mit Widerständen im Leben umgehen. Auch in der Wirtschaft und Arbeitswelt hat man erkannt, dass zufriedene und ausgeglichene Arbeitnehmer besser mit Krisen und Belastungssituationen umgehen. Für Unternehmen spezialisieren sich z.B. Coaching-Berater, indem sie Angestellten helfen, eine gesunde Work-Life-Balance zu entwickeln.

Mit verschiedenen Ansätzen bieten sie Menschen Mechanismen an, Selbsthilfe zu lernen.

Die sieben Säulen der Resilienz

Resilienz zu lernen, heißt Schritt für an der psychischen Widerstandskraft zu arbeiten. Eine solche Entwicklung findet natürlich nicht von Heute auf Morgen statt, sondern ist oft ein lebenslanger Prozess. Das Modell der sieben Säulen der Resilienz kann dabei helfen:

1. Optimismus

Es ist eine Herausforderung, doch schwierigsten Situationen etwas Positives abzugewinnen, kann dabei helfen kommende Veränderungen als Herausforderung oder Chance zu sehen.

2. Akzeptanz

Es gibt Momente, die lassen sich nicht ändern. Leugnen oder dagegen Anzukämpfen macht es häufig schlimmer. Einen Zustand Anzuerkennen erleichtert es, sich diesem zu stellen und das anzunehmen, was uns das Leben bereithält.

3. Sinnvolles Handeln

Ein klares realistisches Ziel vor Augen zu haben verdeutlicht uns die eigene Handlungsfähigkeit. Wichtig ist dabei die eigenen Möglichkeiten abzuwägen und sich einzugestehen, wo die eigenen Grenzen liegen.

4. Selbstregulierung

Wir müssen negative Gefühle nicht leugnen oder unterdrücken. Manchmal ist es aber sinnvoller z. B. auf Ärger nicht mit einem Wutausbruch zu reagieren und sich stattdessen sich bewusst zu distanzieren.

5. Selbstwirksamkeit

Sich der eigenen Fähigkeiten bewusst werden und Verantwortung übernehmen kann in den ausweglosesten Situationen neue Wege aufzeigen.

6. Soziale Bindungen

Enge und vertrauensvolle Bindungen zu anderen sind das Fundament, auf dem Resilienz aufbaut. Hilfe und Unterstützung zu suchen ist oft der erste Schritt.

7. Achtsamkeit

Die Fähigkeit Gefühle anzuerkennen und zu spüren, was einem gut tut und was weniger, kann man erlernen, indem man sich selbst beobachtet, seine Verhaltensmuster sowie Reaktionen bewusst wahrnimmt.

Resilienz ist etwas, das wir uns erarbeiten müssen, wenn wir psychische Widerstandskraft aufbauen wollen. Auch Gehirntraining kann uns in Krisen oder stressigen Situationen helfen einen kühlen Kopf zu bewahren. Um eine stetige Weiterentwicklung Ihres Gehirns zu gewährleisten, empfehlen wir Ihnen regelmäßiges Gehirntraining:

Mit dem Gehirntrainingsprogramm von NeuroNation erhalten Sie personalisierte und wissenschaftlich geprüfte Übungen. Diese bilden zusammen mit einem achtsamen und gesunden Lebensstil eine zuverlässige Grundlage für ein zufriedenes Leben.

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Quellen

[1] Stangl, W. (2021): Resilienz – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik: https://lexikon.stangl.eu/593/resilienz (2021-04-11)

[2] Leibniz Gemeinschaft (2021): Leibniz-Institut für Resilienzforschung: https://lir-mainz.de/corona-uebersicht (2021-04-11)

[3] Stangl, W. (2021): Resilienz – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik: https://lexikon.stangl.eu/593/resilienz (2021-04-11)

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